Individualisierter öffentlicher Personennah- und Fernverkehr

Die Herausforderung

Wer heutzutage eine längere Strecke in eine Metropole zur Arbeit pendelt hat sicherlich auch schon festgestellt, dass wir mit Riesenschritten auf einen Verkehrskollaps zusteuern wenn nicht etwas Grundlegendes geschieht. Noch größere, breitere Straßen werden das Problem nur bedingt lösen können. Der öffentliche Nahverkehr wie er derzeit funktioniert, bzw. nicht funktioniert, ist auch keine Lösung: Mit ihm ist man, trotz zunehmender Staus immer noch deutlich langsamer und weitaus weniger flexibel als mit dem eigenen Auto. Irgendwann wird das kippen, aber dies bedeutet, dass die Menschen immer mehr Zeit auf dem Weg sind und weniger in der Freizeit/bei Ihrer Familie.

Aber wie könnte eine Lösung in der Zukunft aussehen?

Mit Sicherheit steuern wir auf ein Zeitalter der „Self-driving Cars“ zu. Wie lange es dauern wird, bis sich diese durchgesetzt haben, ist derzeit noch schwer einzuschätzen, aber wenn wir überlegen, wie verhältnismäßig schnell der Übergang vom Kutschverkehr zum vorwiegend (damals übrigens auch selbstfahrend genannten) Automobilverkehr ging, auch wenn anfangs sogar noch ein Mann mit einer Flagge zur Warnung anderer Verkehrsteilnehmer (zumindest an „Gefahrenstellen“) vorangehen musste.

Die „Self-driving Cars“ allein sind aber noch nicht die Lösung. Nur weil man nicht mehr selbst am Steuer sitzt reduziert es den eigentlichen Verkehr ja noch nicht. Erst wenn weitere technische Lösungen hinzukommen, sowie sich ein gesellschaftlicher Wandel vollzieht kommen wir wirklich in der Zukunft des Personenverkehrs an.

Damit dies effektiv funktioniert ist es notwendig, dass personengelenkte Fahrzeuge nahezu vollständig aus dem Verkehrsbild verschwinden, bzw. diese für die meisten Straßen nicht mehr zugelassen sind. Denn nur so können sich die „Self-Driving Cars“ autonom untereinander abstimmen und einen optimalen Verkehrsfluss sicherstellen. Aber auch das reicht wohl noch nicht aus, denn wenn die Anzahl der gleichzeitig auf den Straßen unterwegs seienden Fahrzeuge nicht reduzieren, dann stehen wir zukünftig in optimierten Staus, aber nichtsdestotrotz immer noch in Staus.

D.h. wir müssen auch die Anzahl der Fahrzeuge reduzieren. Dies geht aber nur, wenn mehr Personen pro Fahrzeug unterwegs sind. Um dies wiederum optimieren zu können bleibt es nicht aus, dass das Konzept vom eigenen Auto durch ein allgemeines Car-Sharing Konzept abgelöst wird. Durch die immer stärkere Vernetzung ist so in Sekundenschnelle das nächste Fahrzeug identifiziert, dass mich optimiert an meinem derzeitigen Standort aufnimmt und mit möglichst wenigen Stopps und Fahrzeugwechseln an meinen Bestimmungsort bringt. Kosten fallen nur noch nutzungsabhängig an. Rahmenparameter wie z.B. Eltern-Kind oder ganze Familientransporte stellen ebenso wenig ernsthaft Optimierungsprobleme dar, wie der Transport von Rollstuhlfahrern und anderen Personen mit besonderen Anforderungen. Auch die Mitnahme von Gepäck oder auch sperrigem Sportgerät wie Surfboards, Kayaks etc. sollte durch Optimierung der Stationierung von Fahrzeugen, die diese besonderen Anforderungen erfüllen können, leicht lösbar sein. Da das Gesamtsystem ja jederzeit weiß welche Personen dauerhaft oder auch nur zeitweilig solche Sonderanforderungen haben und wo sie sich aufhalten.

Fahrzeuge, die ihren letzten Fahrgast abgeliefert haben und aktuell keinen neuen Transportauftrag haben, begeben sich selbständig an die nächste Ladestation.

Zur Optimierung des Gesamtsystems kann und darf es keiner zentralen Steuerung bedrüfen, stattdessen müssen die Fahrzeuge direkt untereinander kommunizieren und so eine Art künstliche Schwarmintelligenz aufbauen.

Solange Fahrzeuge in WLAN Reichweite sind kommunizieren diese direkt miteinander ansonsten über Mobilfunk oder ggf. sogar über Satelliten. Dabei ist jedes Fahrzeug direkt oder indirekt auch mit dem Internet verbunden und stellt so auch selbst immer einen eigenen Access-Point (Hot-Spot) dar.

Indem jedes Fahrzeug genau weiß, welches Ziel jedes andere Fahrzeug in der Nähe hat, können Staus bereits zu Beginn vermieden werden, da durch diese vollständige Transparenz der gesamte Verkehr optimiert werden kann.

Durch die Fahrzeug-zu-Fahrzeug Kommunikation sind Unfälle extrem selten – Unfälle passieren nur noch durch Umwelt z.B. Wetter, Tiere, Natur(katastrophen) wie Lawinen, Erdrutsche, Überschwemmungen, … oder durch mutwillige Sabotage…  daher wird passive Sicherheit weniger wichtig und dadurch eine völlig andere Innenraumgestaltung möglich (z.B. Trennwände zwischen Fremden; Tische etc.)

„Hijacken“ von Fahrzeugen, die anhalten um jemand anderen aufzunehmen passiert aus 2 Gründen nicht:

  1. Das Fahrzeug fährt sehr wahrscheinlich nicht dahin wo ich hin will
  2. Das Fahrzeug lässt nur die berechtigten Personen überhaupt zusteigen, und falls doch jemand falsches in das Fahrzeug einsteigt wird es nicht losfahren und Blockieren von Fahrzeugen wird mit empfindlich hohen Strafgebühren belegt.

Vandalismus etc. ebenso, da jedes Fahrzeug mit Innenraumkameras ausgestattet ist und jeder über ein mobiles Device identifizierbar ist – hierüber läuft auch die Abrechnung der Transportkosten.

Mehr Komfort im Fahrzeug kostet extra und man muss evtl. länger warten. Wer keinen Extra-Komfort bestellt, kann – ganz in Analogie zur Autovermietung heute – im Sinne der Optimierung des Gesamtsystems ggf. kostenlos upgegraded werden. Mit dem Risiko, ggf. Umsteigen zu müssen wenn der Extra-Komfort von jemandem anderen kostenpflichtig bestellt wird. Wann was passiert ist nur bedingt vorhersehbar, da zu viele Parameter hier mit hinein spielen, eben ganz so wie ein selbstregulierendes KI-System funktioniert.

Nebenbei wird auch noch die Umwelt weniger belastet: Wegeoptimierung bedeutet auch Optimierung der Energieressourcen und somit Umweltschutz.

Erste Versuche, dass Haushaltseinkäufe werden automatisch nach Hause gebracht werden, gibt es ja inzwischen sogar schon, d.h. in der Zukunft wird auch der heute noch mehr oder weniger übliche Einkaufsstop am Supermarkt überflüssig. Einkaufen gehen wird zum freiwilligen Freizeiterlebnis, ist aber keine Notwendigkeit mehr („Tütenschleppen“ eh nicht mehr).

Wie das für den zukünftigen Verkehrsteilnehmer aussehen könnte habe ich mal hier versucht darzustellen:  Pendeln in der Zukunft – eine Vision

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